Waisenhaus

Die Thuner Mühle wurde im 19. und 20. Jahrhundert gebäudemässig ständig erweitert und nahm industriellen Charakter an. Sie wurde für das Ortsbild als störend empfunden und 1989 abgerissen. An ihrer Stelle entstand der heutige Mühleplatz, ein Ort der Begegnung.

Die historische Aufnahme zeigt das Thuner Mühleareal um 1870. Die Thuner Mühle war zumindest seit dem 14. Jahrhundert  an dieser Stelle domiziliert, da sie das Aarewasser  zum Antrieb der Mahlsteine gebrauchte. Früher  waren es kleinere, einstöckige Gebäude (die vordere und die hintere Thuner Mühle),  im 19. und 20. Jahrhundert jedoch wurden  mehrstöckige Gebäude industriellen Charakters errichtet. Sie belegten schliesslich das Areal von der Inneren Aare bis zu den Häusern der Oberen Hauptgasse. Die Hausfassaden waren wegen der Mühlegebäude kaum mehr zu sehen. Deshalb wurden im 20. Jahrhundert in der Thuner Bevölkerung immer mehr Stimmen laut, welche die Verlegung der Thuner Mühle aus der Innenstadt und den Abbruch der Mühlegebäude forderten. Nachdem die Mühle ins Simmental nach Oey-Diemtigen verlegt worden war, konnten die Thuner Stimmbürger 1985 in einer Volksabstimmung zwischen dem Totalabbruch oder einem Teilabbruch der Mühle wählen. Bei einem Teilabbruch sollten in den aareseitigen Gebäuden die Stadtbibliothek und das Kunstmuseum untergebracht werden. Da zwei Drittel der Thuner und Thunerinnen für einen Totalabbruch votierten, wurde die Thuner Mühle 1989 abgerissen. Dafür entstand der Mühleplatz, recht eigentlich ein Begegnungszentrum, wo Gaststätten zu einem Kaffee oder Drink einladen und wo verschiedenste Veranstaltungen durchgeführt werden. Auch im Winter sind die Outdoor-Cafés gut besetzt: in Decken gehüllte Gäste trotzen  der unwirtlichen Kälte.

Heute erinnern nur noch der Mühlekanal unter dem blauen Gitter und die Skulptur von Schang Hutter „Aufhalten in Berlinen“ von 1995 an die einstige Thuner Mühle. Die heutige Mühlebrücke, eine Betonbrücke von 1983/84, ersetzte die  Stahlkonstruktion von 1879/80, die eigens für den Müllermeister Adrian Lanzrein errichtet worden war.

Das Thuner Waisenhaus, von welchem aus die heutige Aufnahme gemacht wurde, wurde 1786 als Seidenfabrik errichtet. Schon vorher gab es hier ein alleinstehendes herrschaftliches Haus, dessen Spuren beim Umbau 1997 entdeckt wurden. Von 1837 bis 1919 diente das Gebäude als Waisenhaus, später als Verwaltungsgebäude von Kanton und Stadt Thun. 1997 wurde es zum Restaurant Waisenhaus umgebaut, das von den Bindella Unternehmungen betrieben wird.

Blick vom Waisenhaus zum Mühlequartier um 1870Blick vom Waisenhaus zum Mühlequartier 2014
Blick vom Waisenhaus zum Mühlequartier um 1870
Blick vom Waisenhaus zum Mühlequartier 2014

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